Mittwoch, 14. September 2016

Manifest zur Raumgestaltung mit Lukas Maria Kaufmann für Hoping for Misunderstandings II.

Ich möchte hier von Dingen sprechen, die uns umgeheben, die immer auf uns wirken, deren Wirkung wir immer spüren und doch nur selten nachprüfen. 
Das Einrichten einer eigenen Wohnung ist einer der großen Augenblicke im Leben eines Menschen und Sie wissen sicherlich alle aus Erfahrung, daß ein leeres Zimmer allgemeinen ungemütlich wirkt und daß ein eingerichtetes Zimmer verschiedene Wirkungen ausüben kann. Sie werden sicher alle schon erfahren haben, daß eine Wohnung durch eine andere Stellung der Möbel eine völlständige andere Raumwirkung erhält. Das gibt zu denken: es hat sich am Raume selbst nichts geändert und doch erhalten wir eine völlständig neue Wirkung des Raumes. 
Ein unmöbliertes Zimmer sieht gewöhnlich kleiner aus als das möblierte. Ein Zimmer sieht ohne Vorhänge leerer aus, als mit Vorhängen. 
Sie wissen aus Erfahrung, daß das Möbelstellen eine Kunst ist, die nicht jeder gleichartig beherrscht. Man versucht gewöhnlich dieses und jenes, stellt den Kasten dorthin, den Tisch hierhin, um eine angenehme Wirkung im Zimmer zu erhalten. 

Das ist auch gut so den im modernen Wohnraum herrscht Unordnung, das heißt, dort gibt es keine Möbel, die für einen bestimmten Platz gemacht sind und deren Umstellen die Harmonie stören würde. Man stellt das Möbel (Das Wort kommt von mobile, beweglich) dorthin wo man es gerade braucht. Deswegen sollte man Sessel so bauen, das man sie mit der Fingerspitze heben kann - eben damit man nicht so schwitzt beim umstellen. 
Es genügen bloß Milimeter, damit es schwer wirkt. 
Jeder weiß, daß das Dinge sind, die merkliche Einflüsse auf die Wirkung des Raumes ausüben. Aber nur selten wird sich jemand Rechenschaft geben können, welches eigentlich die Gründe sind, daß sich der Raum in seiner Wirkung verändert. 
Es wird gut sein, vorerst zu versuchen, uns klar zu werden, was eigentlich Raum ist. 
Der Begriff ist eigentlich für uns nicht faßbar. Man kann sich den Raum nicht wegdenken. 
Ob wir die Augen offen oder geschlossen halten, ob wir hören, sehen, riechen, tasten. 5 Sinne oder wenn Sie möchten 6. 
Der Raum ist da, wir können ihn aber mit keinem unserer Organe fassen. 
Es gibt für den Raum kein Ende, keinen Anfang.
Die Schwierigkeit der Raumvorstellung an und für sich folgt daraus. 
Raumvorstellung gibt es erst durch eine vollständige Begrenzung des Raumes, durch ein Abschließen. Das Gefühl für den Raum ist fühlen, wenn es uns weit wird, wie auf einer Wiese und am Meer, oder wenn es uns eng wird in einem kleinen Zimmer, ist die Fähigkeit, den Raum in seinen Maßen zu begreifen. 

Es ist wohl unnötig zu sagen, daß unser Auge das Organ ist, um abgegrenzten Raum zu begreifen, um Raumwahrnehmung zu machen (was Aktualität nie verlieren wird, wenn Ausschlußmechanismen eingreifen) aber ich sage es trotzdem: 

Stellen Sie sich vor Sie verlassen, dass Zimmer was sie so eben verückt hatten und machen eine Zwischenaufnahme davon. Könnte es vielleicht so ein s/w Druck sein wie das was ich hier in meiner Hand halte. 
Wie würden sich die Grenzen dort definieren? Die die klaren Begrenzungslinien des Fußbodens. Was hat sie an Ihrer Decke besonders interessiert? 
Gab es etwa z. B ein Fleck oder eine Farbe was sich auf der Decke und am Fußboden wiederholt hat? 
Wir gehen in den Park. Wir gehen noch viel weiter und nun außerhalb der Stadt. 
Wir hinterlassen alles und ziehen weiter. Jetzt Landschaft. Dort ein bisschen Wiese und ein anderes Klima. Nehmen das was mit was wir für notwendig halten. Die kleine Tasche reicht vollkommen aus. Irgendwann müssen wir schlafen gehen aber wir arrangieren uns auf irgendeine Art und träumen.Verschiedene Grundbedürfnise werden frei. Es ist egal wie oder was der Kleiderschrank an dieser Stelle hier machen würde mit mir aber vielleicht nicht wo das Bett steht aber wir wollen uns hier nicht niederlassen auf Dauer. Wir ziehen weiter. Hier fangen romantische Gedanken der Sehnsucht. Doch irgendwann und zwar bald tritt das Gefühl in Erscheinung das wir zurückkehren sollten, weil das Bild vom Zimmer zerschwimmt. 
Man betritt das eigene Zimmer wie bei einen totalitären Privileg und stellt sich wieder vor und zwar jeden den Raum mit seinen Möbeln. Wir kehren zurück und schauen uns nun illustrierte Bücher über fremde Völker an auf einen Sessel auf den wir uns nun niedergelassen haben mit einer Tasse Tee. Gewiss denken wir! Gewiss!

Man müsse sich etwa vom nomadischen Verständnis was abschauen, die sich am konkretesten mit den Raum zu beschäftigen wussten, da sie sowohl die Weite und ihre Begrenztheit zu schätzen wussten. An einen Vorhandenen von mir selbst errichteten Ort sich niederzulassen ist Aufgabe der Sicherheit aber auch der Ruhe nach der wir uns manchmal sehnen dürfen. 
Dieser Raum ist aber in uns und die Kraftquelle jeglichen Zeitalters seit Beginn menschlichen Lebens. Die Höhle als der Urraum schlechthin kann als funktionaler stiller Ort belebt und von einer Qualität eines kurzweiliger Aufenthaltes sein. 
Hier werden wir von der Neugier oder Eiszeit erfasst weiterzuziehen um ein Überleben zu sichern.Eine wesentliche Notwendigkeit des wohligen Wohnraumes ist das Sich-Bewegen.
Das Verändern des Standpunktes zum Gegenstand (übrigens der Inhalt allen Raumbewusstseins) gibt ein fortwährendes Ändern der Bilder, die wir von den Gegenständen erhalten, die im Zimmer sind. Bald ist der Sessel vor dem Kasten sichtbar, bald vor der Tür, dann vor dem Fenster. Ruhe ist da nur zu erhalten, wenn ich immer die klaren Begrenzungslinien des Fußbodens sehe. Und was würde sich verändern könnte man nicht zurück in den Wohnraum? Weit von der Wohnung sein heißt: Vertretter der anderen Welt an den neuen Ort sein. Wenn dort nicht erlaubt wird anzukommen befindet man sich wie auf einen Schiff auf dem Ozean, der sich in ständiger Bewegung irgendwann zu einen losen Körper verändert. Doch zurück zum Möbel. Diese Formen haben sich seit ältesten Zeiten gehalten, weil sich der Körper nicht geändert hat, einzig dass verschiedene Bequemlichkeitsbedürfnisse ihre Maße verändert haben. 

Es dürfte verständlich sein, daß unsere Fähigikeit, Raum wahr zu nehmen, nicht eine einfache Tätigkeit ist, sondern aus zwei getrennten Funktionen besteht. 
Wir sehen zuerst mit den Augen, wir erhalten also ein Bild und schätzen nun die Weite vor uns, den Raum vor uns aus unseren Lebenserfahrungen ab. Wir lernen das von Kindheit an, und tun das oft im Leben, daß es uns nicht mehr bewusst wird und wir es selbstverständlich tun. 

Denken Sie sich eine Wiese, auf der Bäume stehen. Die Bäume geben uns die Möglichkeit, den Raum vor uns abzuschätzen. Wir zählen unbewusst 1,2,3,4 usw. Bäume und erhalten eine stärkere Anregung, den Raum vor uns wahrzunehmen. Je mehr Bäume auf der Wiese sind, umsomehr wird sich der Raumeindruck verändern, das ursprünglich Weite der Wiese wird immer enger und enger werden und schließlich sehen wir vor Bäumen den Wald nicht mehr. Das heißt, wir haben statt des ursprünglich weiten Raumeindrucks fast gar keinen Raumeindruck mehr. Es hat sich am Raum nichts geändert und trotzdem hat sich die Raumwirkung für uns vollständig anders gestaltet. Der Wald bietet uns jetzt fast gar keine Raumvorstellung mehr, obgleich wir immer noch Raumwahrnehmung haben. Diese beruht aber auf dem vorhandenen Raumbewusstsein, aus unserer Bewegung; wir wissen, wir können im Walde vorwärst gehen, wir erkennen ein fortwährendes sich-ändern der Beziehungen der einzelnen Baumstämme zueinander, durch das wir uns bewegen. Es ist ein fortwährendes Ändern der Bilder, die unsere Augen aufnehmen. Der Raumeindruck bleibt in diesen Falle deshalb so schwach, weil wir von den vielen, vielen Bäumen eine Unzahl von Bildern erhalten, die uns die Möglichkeit eines einheitlichen Abtastens von Baum zu Baum erschweren. 

Es sind so viele Raumeinheiten, daß wir nicht imstande sind, dieses Vielerlei genügend zu überblicken, um daraus eine einheitliche Raumvorstellung zu erhalten. 

Um nun bewusst Raumbildungen zu schaffen, die ein einheitliches Erfassen ermöglichen, die also klares, ruhiges Raumgefühl erzeugen, müssen die Elemente, die mir die Möglichkeit bieten, Raum mit den Augen abzutasten, so gruppiert sein, daß das Auge in gleichmäßiger und einfacher Weise sie alle auf einmal erfassen kann. Nur wenn das gelingt, wird der Raumeindruck überzeugend und selbstverständlich sein. 
Diese Elemente — in unserem Beispiel waren es die blühende Bäume auf der Wiese — sind ja selbst wieder Körper, die wir an gewissen charakteristischen Eigenschaften aus unseren Erfahrungen kennen. Ob das nun Baum, Gartenzaun, ob das Säulen, Pfeiler, Sessel, Tische, Kasten, oder ob das Plastiker oder sonst was sind, ist gleichgültig. 

So muß denn auch an der Wand eines Raumes irgendwo eine deutliche Linie sein, die uns ein sicheres Mittel gibt, die Länge der Wand abzuschätzen. 
Eine ganz weiße Wand, auf der sich gar nichts befindet, und die oben ohne betonten Abschluß endet, auf der auch keine Decke liegt, gibt dem Auge keinen Halt; das Auge ist nicht imstande, zu tasten, so wie der Blinde nicht tasten kann, wenn er nichts greift. 
Es müssen sich auf der Wand irgendwelche Möglichkeiten des Ablesens, des Abschätzens befinden, um überhaupt das Gefühl der Tiefe eines Raumes erhalten zu können. Die Mittel um die Wand ablesbar zu machen können die verschiedenartigsten sein z.B Fenster, Pilaster, Kästen, Bildwerke usw. Von der Art ihren Beziehung untereinander hängt die Wirkung ab, welche wir für die Raumgröße erhalten. Wenn sie so verteilt sind, wie die Bäume im Wald, zufällig, dann wird auch die Raumwirkung eine solche werden, wie im Wald, sie sich zerstückeln; wir werden den Wald, vor Bäume nicht sehen. 

Wenn es uns gelingt Beziehung, zwischen diesen Dingen — nennen wir sie, damit wir uns leichter verständigen, Raumwerte — herzustellen, so wird die Art und Weise dieser Verbindung einen Einfluß auf die Raumwirkung ausüben. Wenn beispielsweise Säulen in den gleichen Intervallen stehen so erhalten wir eine ruhige, gleichartige, Anregung, machen förmlich eine gleichartige Bewegung durch den Raum. Es ist für uns etwas Selbstverständliches, Einheitliches, auf den ersten Blick Erkennbares. 
Eine Verstärkung dieses Eindruckes können wir erhalten, wenn wir nicht nur am Fußboden, sondern auch über uns eine Möglichkeit des Ablesens einschalten, das heißt, wenn wir Raumwert mit Raumwert verbinden. Denken Sie sich von Raumwert zu Raumwert eine Verbindung im Bogen, so geht das Auge unwillkürlich den Raumwert im Bogen ab, es geht hinauf und herunter, noch einmal hinauf und herunter und so fort, bis es nach rückwärst kommt. 
Oder denken Sie sich diese Verbindung durch eine Horizontale, so geht das Auge ruhig die Länge durch und erhält immer nur dort, wo sich die Vertikale mit der Horizontalen berührt, einen Moment des Stillstand. Das ist eine wichtige Stelle, die besonders bezeichnet werden muß, damit das Auge nicht selbst etwas dazu zu tun braucht, so daß der Raumeindruck dadurch ein sicherer und klarer wird. 

Je weniger wir aus unsere Erfahrung, dazutun müssen, um Raum wahrzunehmen, desto stärker und beruhigender ist das Raumgefühl. 
Diese Stellen, an welchen sich die Bewegung bricht, sich ändert, von einer Flächenvorstellung zu einer Tiefenaregung geht, entsprechen gewissermaßen den Gelenken am menschlichen Körper die diesem die Möglichkeit bieten, Bewegungen auszuführen.
Bezeichen wir sie daher kurzweg als Gelenke: so trefen wir damit das, was man gewöhnlich unter Kapitäl, unter Basis, unter Gesims versteht.

Mit feinem instinktiven Sinn hat man erkannt, daß hier ein Wechsel vor sich geht, der bezeichnet werden muß, und je delikater diese Bezeichnung gestaltet ist, d. h. je zarter diese Gelenke sind, desto größer, desto eleganter und vornehmer wird der Gesamteindruck. Wie die Gelenke eines Bauern, einer eleganten Dame, wie die Gelenke eines Elefanten und einer Gazelle. Das Formen dieser Gelenke, das Erkennen ihrer Wirkungsnotwendigkeit, ihrer Wirkungsmöglichkeit ist das persönliche, eigenartige Gebiet des Raumkünstlers, und es ist eine der schwierigsten und empfindlichsten Aufgaben. 
Er muss sich den Körper vorstellen können und gleichzeitig von Raumwert zu Raumwert umwandern können. Die Maße für solche Gelenke zu bestimmen, was man Profilieren nennt, ist eine schwierige Aufgabe. Stellen Sie einmal ihren Körper mal vor oder eine Wiese mit einen blühenden Baum. 
Dieser Raum ist voller Gewohnheit und wirkt auf die Welt ein wie sie auf ihn wirkt. 
Es trägt ein unglückliches Bewusstsein in sich und kann dadurch nur in einen Mangelverhältnis zur Welt stehen. Würde heißen wenn ich bei mir bin verliere ich die Welt.
Doch die absoluten Maße des Möbels oder der Gegenstände sind viel weniger variabel als die des Raumes, weil die gegenständliche Welt in direktem Kontakt mit dem menschlichen Körper steht und wir es deshalb unwillkürlich mit dem Menschen eigenen Maßen messen. Diejenigen Maße, innerhalb derer man sich wohlfühlt, hängen eng mit der Größe des Menschen selbst und seinen Bewegungen zusammen. 

Die alten Maße, Fuß und Zoll, bezogen sich auf den Menschen, das Metermaß aber ist willkürlich gewählt  und deswegen haben viele englische Möbel eine gewissen Menschlichkeit an sich. 

Ein Raum ohne Gelenke ist wie eine mit Stroh gefüllte Puppe, die sich nicht rührt; der Organismus ist tot. Das Gelenk selbst kann eine Unzahl von Raumwerten enthalten, die nach rückwärts leiten. Das, was man gewöhnlich Zahnschnitt, Konstolen, Eierstab usw. nennt. Diese Maße dürfen in keinem Verhältnis stehen mit den Maßen der übrigen raumbildenden Gebilde, weil sonst ihr Charakter als Gelenk verloren geht; denn wenn die raumbildenden Teile der Gelenke mit den Maßen der raumbildenden Teile des ganzen Körpers konkurrieren, hören die Gelenke auf, Gelenke zu sein. Werden sie aber selbständig raumbildend, dann werden sie unverständlich, denn sie stehen in keinen Zusammenhange mit dem Fußboden oder der Decke, sie stehen weder auf dem Fußboden noch hängen sie von der Decke herab, sie sind auch nicht an der Wand als raumbildende Körper befestigt. Das wird gewöhnlich nicht erkannt weil es nicht einfach ist einen Raum voller Gewohnheiten zu erkunden. 

Eine gute Raumbildung verlangt auch, daß ich die Decke ebensowohl wie den Fußboden in ihrer Größe abschätzen und ihre Beziehungen und Verhältnisse erkennen kann. Je klarer dieses Verhältnis ist, desto klarer die Raumwirkung. Wenn Fußboden und Decke gleich Raumwirkung geben, so ensteht die Empfindung der Behanglichkeit, des Wohlseins. Es ist über mir nichts anderes, der Raum ist über mir nicht größer, nicht weiter, nicht enger. Das erste Gebot ist daher, unter allen Umständen diese Begrenzungslinien, diesen Rahmen für Fußboden und Decke klar zu machen. Je präziser, je eleganter das gemacht wird, desto eleganter und präziser die Rückwirkung; ganz wie beim Rahmen eines Bildes. Und ebenso wie ein Gegenstand, den ich auf den Fußbaoden stelle, raumwirkend wird, wie der Baum auf der Wiese, wie ein Brunnen im Hof, wie eine Statue auf dem Platz, so kann auch ein Gegenstand, der von der Decke hängt, raumwirkend werden. Es gibt auch ganz eigentümliche Wirkungen, wenn ein Gegenstand vom Fußboden bis zur Decke reicht. Es gibt eine unglaubliche menschliche Beziehung. 
Es ist ebenso wohl möglich Fußboden oder Wand, wie dei Decke als Mittel zu verwenden um den Raumeindruck zu klären. Wie das gemacht wird, die Art der Entdeckung der Möglichkeiten von Raumwerten, das ist die Eigenschaft der künstlerischen Persönlichkeit. Das ist etwas, was außerhalb unserers Bewusstsein liegt, das uns nicht willkürlich zur Verfügung steht. Das kommt und vergeht und sich nicht fassen und lehren läßt. 

Da wird ein Kasten mehr, als bloß ein Depot für Kleider, das der Tischler machen kann, ein Sessel mehr, als bloß ein Ding, auf dem ich sitzen kann. Und das Zimmer wird mehr, als bloß ein Raum mit vier Mauern und Fenster und Türe. Soll der Fußbboden raumanregend sein? Soll die Decke raumanregend sein? Sollen die Wände raumanregend sein? Und wie soll ich es machen das ich Einheit der Maße finde? Da geht es nicht mit dem Gustieren. 
Denn das will alles wohl überlegt sein.

Der Mensch ist auf der Suche Maße, sucht Beziehungen dieser Maße. Und fehlt ihm das Unerklärliche, das außerhalb unserers Bewusstseins liegt, Beziehungen unter diesen Dingen zu finden, also Raumwerte zu entdecken, dann freilich, dann macht er nur patronierte Wände, entwirft Teppiche, entwirft Möbel und ist gewöhnlich von einer unheimlichen Produktivität, die beneidenswert ist. 

Wenn man sagt man habe sich in der Welt verloren bzw. diese sei einen Abhanden gekommen oder genommen worden handelt es sich nicht bedingt um eine Form von der wie die Ideologietreuen Gestalten es zu nennen mögen die sogennante „Heimatlosigkeit“. 
Sicher und meist ist jedes losreißen aus dem Gewohnten und Geliebten unmeßbar schmerzhaft wie das Abhandenkommen von physischer Anwesendheit von geliebten Personen. Doch hier wird immer ein allgemeingültiger Irrtum ins Spiel gebracht. 
Wer seine Heimat verliert ist nicht heimatlos. Wir sind alle und zwar ohne Ausnahme suchende Lebewesen, die in dauernde Bewegung nach sicheren Bezugspunkten in der Welt suchen. 
Denn zunächst tretten wir aus der Symbiose die sich mit dem Körper der Mutter erfahrbar gemacht hat. Dieses emanzipieren bzw. naturgemäße losreißen ist die erste Erfahrung von Verlust und macht uns später zu einen vielzeitigen Reflexionskörper. Durch die Organe reflektieren und abbilden wir die Suche nach Identitäten und Wohlgefühl.
Hier werden alle Sinne angewendet und zwar durcheinander. Wir suchen in jemand anderen, in dir in einen Gegenstand, in einen Körper, in einen bereits vorhandenen Raum
in einen entfremdeten Entwurf eines Griffs (möglicherweise von Bauhaus)
in Landschaften, Klimaveränderungen, Gesichter, Gruppen, Essen, Gesten, Sprachen, geheimen Bindungen Geburtzuweisung, Ort, Aussehen, Papiere die sagen du gehörst wo dazu oder darfst hier bleibenFamilie, Gedächtnis, Normen und Werte, Mentalität, Überzeugung, Geschichte, Bräuche, Kultur, Musik, Tanz, Kunst, Ideologien, Gewalt, Bilder, Bauart, geheime Bindungen, Verantwortung, Globalisierung, Anpassung, Mächte und Sprache und Bewegung und und Orte und Zeiten und Dasein und Hiersein. 
Das ist nur ein willkürlicher Auszug von Wohnbildung oder Zugehörigkeitswerte oder damit wir uns leichter verständigen, Raumwerte —

Dort irgendwie lagert sich zwischen allen und wenigen Heiligtümer bestehend aus beispielsweise eine Mischung des erwähnten ( der Begriffe) ein Maßstab, eine Aufrichtigkeit oder eine Anpassung. Doch uns wird diese Dinglichkeit nur bewusst wenn ich sie Außen suche. Ich kann hier keine Begrenzungslinie einführen den das führt dazu das ich die Welt verliere. 
In der Fremde und zwar welche die zu mir kommt werden meine Heiligtümer furchtbar weil sich ein Bewusstsein über diese einstellt. Wenn ich die Fremde betrette muss ich versuchen achtsam zu sein um nicht all zu hässlich zu wirken. 

Versuche des Seins mit dem Fremden sind die Grundlage für Wohnbildung.
Somit handelt es beim Bestimmen von zu sehr definierten Raumwerten auch immer um ein kitschigen und nostalgischer Versuch der zu einer unbeständige Rückwandlung heranführt und unterliegt unbewußt seiner Wirkung in der Suche nach Behanglichkeit, des Wohlseins. 
Je mehr Möglichkeiten sich beim Sich-Beweger eine derartige Anlage gibt, Verschneidungen und Verschiebungen zu sehen, eine umso reichere Verschiebungsbewegung gibt die Größe. Für den Raumkünstler sind die Erfahrungen aller dieser Dinge der Ausgangspunkt seiner Tätigkeit. Er arbeitet zwar unbewußt und instinktiv. Für ihn ist die Kenntnis der Wirkungswerte das, was man „Tradition“ nennt. Der Laie bzw. Heimatunbewusste sieht freilich nur das Gegenständliche unterliegt aber auch hier unbewußt der Wirkung. 

Nun fragen Sie mich, wie sollen denn eigentlich Möbel aussehen? Wie soll ich denn mein Zimmer einrichten? Für diese Frage gibt es so viele Antworten, als es verschiedene Räume, verschiedene Menschen, verschiedene Architekten und verschiedene künstlerische Einfälle gibt. Aber eines wird Ihnen wohl klar sein: eine ruhige und starke Raumwirkung erhalte ich unter allen Umständen, wenn ich den Fußboden und die Decke ablesen kann. Wenn ich mit anderen Worten alle Begrenzungslinien des Fußbodens übersehe, und wenn diese mit den Begrenzungslinien der Decke übereinstimmen. 
Damit ist der Raumeindruck unten und oben festgelegt. Funktion - Maß und Proportion. 
Elementzustand, Freiheit, Schuld, festes Objekt (fremd), Kraft, Verwilderung, geheime Bindung, Codes, Transport,Verhältnise die wir nur individuell messen können. 
Meine Elle gegen deinen Fuß. Das war so romantisch und wir schwitzen dabei aber bilden kurz eine Einheit. 

Ein Symbol für die Einheit muss geschaffen werden. 

Kryptozitate 
Josef Frank, Martin Heidegger, Oskar Strnad, Vilém Flusser

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