Dienstag, 14. Juli 2020

Liebesbriefe an OLIVER

OLIVER ist keine Figur, kein mythisches Wesen. Mit einem simplen Namen ausgestattet verkörpert er* ein Miteinander sein in einer der größten Königsdisziplinen: der Freundschaft selbst. Reiz und Glück idealer Freundschaften bestand darin, sich frei bewegen und frei wählen zu können und nicht durch Blutsbande und familiäre Sorgen und Pflichten gebunden zu sein. Freundschaft bedurfte der Freiheit, und Freiheit bedurfte des Freundes als des Gleichberechtigten. Freundschaft gehörte zur nicht verwandtschaftlichen, nicht biologisch und nicht reproduktionsbe- dingten Seite des Zusammenlebens und damit in den öffentlichen Raum, den Raum, in dem Andere präsent sind, den Raum des Redens und Überzeugens, des Hörens und Gehörtwerdens, des Wettstreits und Vergleichens. Erst die gleichberechtigten Freundschaften machten möglich, sich verschiedenen Sichten auszusetzen, den eigenen Verstand auch an den Verstand anderer zu binden und zu
einem erweiterten Denken zu kommen, das Eigennutz und Eigeninteresse überschreitet. 

(Zitat Hannah Arendt)

Wege zu Oliver
Ich kann es vor mir sehen: auf einer Insel, in einem Boot, vor grünem Hintergrund, auf silbernen Boots, auf analogem Film, in einer Modefotografie und in diesem Text wo das klare Bild trügt und sich nur denen zeigt, die tiefe Zuneigung empfinden können und ein Verlangen danach haben, diese Zuneigung zueinander zu zeigen oder zumindest wissen, wie sich begeistern zu lassen. Als eine filmische Vorankündigung, der Hinweis darauf, dass sich etwas Großartiges ereignen wird: dass die Zukunft fruchtbar ist und nicht reproduziert werden muss, dass sich Zusammenkünfte ergeben werden innerhalb verschiedenster Disziplinen. Und das die Dunkelheit erleuchtet werden kann mit einer Art von Unvoreingenommenheit, es soll nach einem Attentat auf die Professionalität aussehen, es soll gescheitert sein in seiner Art sich selbst zu gefallen, es soll mit der Zeit kommunizieren können. Zu einer eigenen Sprache heranwachsen. Dort beginnt es.
Wo das eigene Symptom endet, wo man sich nichts individuell beweisen muss, wo dieses eine Ende gesetzt wurde, damit das Vertrauen auf das Ungewisse wächst und wir verstehen, dass kein Kapital geschaffen werden soll. Nicht so. Das Ende nährt sich selbst. OLIVER* begegnet also dem Material auf dem Berufsfeld erst einmal mit verzogener Fratze. 


Mit starkem Make up wird so gearbeitet, dass sie einen nie besitzen kann, die Produktion, dass man sich immer darüber stellt und so tut als ob. Es geht um mehr, als nur ein funktionierendes Produkt, das so und so strukturiert, geformt, gefasst und gebogen, liebgehabt oder realisiert wurde - man wird es eben nicht zwingen können zu existieren, wenn es nicht will. Das bedeutet, dass die ewige Ergebenheit des Materials hier sein Ende findet. Dass während einer Filmvorstellung eine Idee entsteht, ein kurzer Impuls, ein Aufflackern von Passion, ein Träumen. 

Und OLIVER träumt jeden Tag: er sieht die Welt von oben aus der Vogelperspektive, es ist keine brutale Landkarte nötig, die Realität schafft mit ihrer bloßen Existenz. Oliver träumt anders, es ist auch nicht die Welt der Arbeit, die Welt der Erwachsenen, die Welt der Professionalität oder des Produktes. Oliver wächst und gedeiht, neben den Erwachsenen, langsam fertigt er* eigene Auffassungen über die Dinge an, die sind ihm zugewandt, die wollen sich ihm* zeigen, denn er* ist aufmerksam und schaut und horcht und will mit seinen tausend süßen Fingern nichts lieber, als streicheln und bauen. Es ist ein liebevolles Abschauen, das Nacheifern eines Idols, einer großen Schwester, das hören eines bestimmten Musiktitels, der Beat eines Tracks, der für etwas steht, das ihn* langsam erkennen lässt, dass es bereits sehr viel ist, zu existieren - das ist sein* Weg des Erwachsenwerdens. Die Physis hält er* nicht aus. Er wendet sich ab von allem real existierenden, er möchte sagen "Ich gehöre euch nicht", er verlässt uns. 



Nächste Szene, in einem Zimmer irgendwo. Das bist jetzt du. Das warst du und ich und das bin jetzt ich hier, alleine hergekommen um es kurz nachzuerzählen, um es dadurch nur nocheinmal sterben und noch einmal leben zu lassen. "Es ist immer beides zugleich", sagt OLIVER in einem unlebbaren und unsterbbaren Leben seines speziellen Charakters, aber auch gefangen in einem Kunstwerk, das nicht existieren will. Wir können es nicht mit Druck herstellen, wir können ihn* nicht zwingen. OLIVER ist unbezwingbar. Immer wenn wir erwartungsvoll und hungrig waren, wanderte er* durch unsere Handflächen, Münder, Nervensysteme und Sehorgane, insgesamt wurde er* von vielen Füßen getragen, ganz ohne Zweck, sondern aus tiefer Überzeugung heraus, dass noch etwas kommen wird. Etwas wird kommen, von großer Bedeutung, von festlichem Glanz oder feinstem Geschmack. Etwas wird sich auf den Zungen ereignen, schon bald.


Ich betrete das Unbekannte. Wir schaffen unsere eigenen Regeln und leben weit draussen in der Wildnis. Wir kümmern uns nicht viel um die Gesellschaft und Zivilisation. Um zu singen un die guten Geister zu beschwören, um die Zukunft zu erkennen, um Ratschläge zu erteilen, um neue Rituale zu lehren. Meine Uniform ziehe ich an, um mich mehr in den Elementen zu spüren, um mehr über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu verstehen. 
Ich komme von verschiedenen Orten, ich bin ein Wanderer, ein Jäger, ein Sammler. 




On the tip of the tongue we will speak, we will be having a feast just because there is no other place to go. Dressed up or completely ruined, blushed or wasted or shiny and sometimes shivering, because its cold outside or we got scared a little bit from each others shadows on the wall. But as a candle enlights the space, with ease we want to come together to see whats there since ever: the engine of an imaginational journey, a time traveler haunting and haunted by us collectively: OLIVER!








still there. still so unique. still so graciously moving around, while beautifully limping and struggling these days... just a Fingerstrike away of an idea of my duty, als eine Erscheinung, eine Ahnung.

Damals
Damals wurde ein Filmset 1 zu 1 nachgebaut, um darin das Bild von erfundenen Menschen zu platzieren, eine Konfliktsituation sollte geprobt werden. Es war die etwas naive Vorstellung von verschiedenen Charakteren, die von irgendwo, vermutlich aus der Natur kamen, jedenfalls aber vor langer Zeit unterbrochen wurden, als sie, während einer Grabrede eines nahen Freundes, oder eines Angehörigen oder doch auch wieder nur einer falschen Adresse, als sie sich jedenfalls durch eine Verwirrung im Skript, durch einen Tippfehler in der beschriebenen Situation befanden. Sie existierten durch die Imagination erzwungener Bilder. Es waren überlieferte Bilder, die mit der Zeit gealtert waren und restlos ausgeblichenen Charakteren ähnelten. Man hatte sie damals unterbrochen und heute hatte man sie in dieses Filmset gebracht, wohlmöglich waren sie die letzten Charaktere eines Filmgenres, das nur durch die Nacherzählung eines kleinen Kindes existierte und zu einem Theaterstück transformiert wurde.



OLIVER, du* kannst daher unendlich viele Tode sterben und viele komplexe Leben führen. Auch ziehst du* es vor, manchmal als gar kein lebender Organismus zu existieren. Als verworrenes und niemals klares Bild bist du Teil an der Art des Zusammenspiels, innerhalb verschiedener Vorstellungen der Worte "Profession" oder "Passion", die oftmals zu Verwechslungen führten. Ich möchte heimkommen, spielen, brabbeln, zusammen sein mit dir, über dieses Zusammensein schreiben oder es mir einfach nur Vorstellen und mich darin aufhalten, während ich ständig dich adressiere und eigentlich ja nur an dich schreibe und hoffe, dass du es hörst, irgendwo.

Urlaub 


Wir fahren bald zusammen weg an einen Ort in der Sonne und am Meer wo deine fünf Köpfe ihre langen Hälse einziehen und sich verschlingen zu einem weichen schönen Körper der durchs Land fährt und mit dem Fenster auf Liebe spürt. Es gibt eine Sache zu der komme ich mit zunehmendem Alter immer häufiger zurück, der Gewissheit, dass alle irgendwann sterben und ich weiß genauso sicher dass du Verschwisterung bist, die solange dauert wie wir Köpfe haben.
Ist mir egal wenn die Hälse zwischendurch extreme lang sind.
Kunst machen ist Liebe machen im Großen und Ganzen. Bekanntheitsgrade sind nicht wie Liebe im Geringsten. Trotzdem solltest du in die Geschichte eingehen als Unermesslichkeit chaotischer Zusammenhänge bei gleichzeitig lebenslangfristiger Partner*innenschaft trotz allem. Immerhin hast du 5 Köpfe die an irgendeiner Stelle, wie weit weg sie auch manchmal sein mag, fest zusammen gewachsen sind. Du Langhals. Ich mach dir fünf hübsche Anhänger aus echtem Silber und jeder ist anschlussfähig, hast du sowas schonmal gesehen?

Komm her und schau dich an wenn es das nächste Mal möglich ist.
Das ist natürlich ein Liebesbrief.


Nachwort 



Ich bin der wahrhaftigen Überzeugung, dass Alles was wir machen und jede Person, die wir dabei treffen mit einem Zweck in unsere Wege gelegt wird. Es gibt keine Zufälle. Das Ende ist grenzenlos. Die Erfindung. Im besten Falle erschaffst du etwas auf das sich Menschen beziehen können. Somit kommunizierst du mit anderen und bleibst nicht in einer Leere.
Das Loslassen von Erwartungen hat etwas triumphierendes. Sich an Wut, Missgunst und Schmerz festzuhalten, führt nur zu angespannte Muskeln, Sorgen und wunde Kiefer durch Zähneknirschen.Bei dem Konstruieren einer Erzählung sollte der Poet die Szene so weit wie möglich vor seinen Augen halten.
 
Ausdrücke der Zuneigung, wie Hände halten, einen nächtlichen Kuss geben oder die Arme um jemandens Schulter legen, beinhalten den Grundsatz der Aufrichtigkeit. Jegliche Gattung, die sich diesem Umstand bewusst wird, gelingt ein Bewältigen des Existenzkampfes besser, als diejenigen, die sich nur auf sich selbst beruhen. 
Ich fühle mich schnell entmutigt. Entmutigt durch Widerstand, durch Kälte des Herzens. Entmutigt durch Verblendung.
Ich bin der wahrhaftigen Überzeugung, dass Alles was wir machen und jede Person, die wir dabei treffen mit einem Zweck in unsere Wege gelegt wird. Es gibt keine Zufälle. Das Ende ist grenzenlos.

OLIVER ist eine hybride Formation sechs ehemaliger Schulfreund*innen, eine Multi-Idenität und Synergieversion von Stefan Cantante, Anna Sofie Lugmeier, Diana Barbosa Gil, Federico Protto and Franziska Schneeberger.

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