Dienstag, 14. November 2017

Nation (3 Bilder aus Bogotá)

I. 

2 Frauen gehen um 10 Uhr morgens ins Mercantil. Sie trinken Bier, lachen und vergnügen sich. Die Männer die hier üblicherweise Tinto trinken schauen sich nach Beinen um. Ein Mann, der sich wie sich herausstellen in Santa Fe allein wohnt – dort wo die Zone für Prostituierte toleriert wird, spricht beide Frauen an und fragt, wieso sie so früh am morgen Bier trinken. Sie kommen ins Gespräch und der Mann erzählt ihnen, wie er von der Guerilla entführt worden ist. Er war ein sehr bekannter Architekt und sie wollten von ihm was gebaut haben, und zwar eine Landstraße. Der Entführte jedoch willigt unter den Bedingung ein, dass sie ihn einen Esel bringen sollen. Dann wird er alles machen, was sie von ihm verlangen. Die Guerilleros reagieren verwirrt doch suchen für ihn im nächsten Dorf einen alten Esel. Als dieser beim Entführten ankommt, ist er vollkommen dehydriert, verletzt und in schlechtem Zustand. Manche glauben ja Esel sind dumme Tiere aber sie sind sehr schlaue und empfindsame Tiere. Der entführte Mann gibt den Esel zu essen und streichelt ihn. Der Esel reagiert sehr dankbar und weint. Hier beschreibt er den beiden Frauen, wie die Tränen des Esels flossen. Die Frauen sind überrascht, denn sie haben noch nie einen Esel weinen sehen. Schon bald steigt er auf den Esel und lässt ihn von der höchsten Stelle in den Bergen den geeignetsten Weg finden. Das Tier weiß nämlich genau wie es laufen muss damit es Halt hat in den Beinen. Er findet die perfekte Strecke die gebaut werden muss für die heimliche Landstraße. Der Mann wird freigelassen und die Straße wird gebaut. Doch das ganze Vermögen des Mannes ist weg und nun ist er allein schon seit einer ganzen Weile. Die Wohnung, die ihn gehört hatte, verliert er aufgrund von schlechten Geschäften. Er fragt die Frauen nach ihren Nummern doch sie ziehen es vor, dass die anderen Frauen, die als Coperas bezeichnet werden ihn lieber in Zukunft zuhören. Die Straße ist noch dort irgendwo im kolumbianischen Hochland.

II. 

Lilian wurde heute beerdigt. Sie war eine Hexe sagen alle die in der Unidad de Cuidad Restrepo wohnen. Ein unglaublicher Komplex mit Wohnungen aus den 40er Jahren. Sie haben alle einen extra Eingang für Bedienstete, grüne Badezimmer und große Fenster hin zum Zentrum und dem Monserate. Lilian hat sehr jung einen deutschen kennengelernt.

Sie ging angeblich mit ihm nach Deutschland und hat eine Tochter gehabt.

Doch ihr Mann und die Tochter kamen ums Leben bei einem Unfall und sie ging zurück nach Bogotá, wo sie in die Unidad zog. Damals wohnte dort eine Nonne und ein Pastor. Sie waren Geschwister und hatten wenig Geld. Lilian hat sich mit beiden sehr gut angefreundet und eines Tages, kam der Pastor ums Leben dann verbrachte sie viel Zeit mit der Nonne, die nach ein paar Monaten ebenfalls starb. Beide hatten ihr die Wohnungen verschrieben und sie wohnte von dort an. Sie pflanzte dort sehr viele Pflanzen.

Die Nachbarn fingen an Lilian seltsam zu finden, da aus ihrer Wohnung nachts sehr laute Geräusche zu hören waren und manche glauben, dass sie seltsame Rituale dort ausgeführt haben soll. Eines Tages kam raus, dass sich ein Kind in ihrer Wohnung befand und es taub und stumm war. Dieses Kind wurde allerdings nie außer Haus gesehen.

Die Portiere wurden schon etwas nervös aber haben auch nicht sonderlich viel nachgefragt.

Die Nachbarn haben sich beschwert, dass sie den Treppenaufgang nie sauber macht und eines Tages ging Lilian aus dem Haus ohne Unterhosen und hat alles sehr gründlich sauber gemacht und gelacht. Alle haben ihren Hintern und ihren Schambereich gesehen.

Die Hausverwaltung hat angefangen ihr nachzugehen und eines Tages hat man eine etwas dickere Frau gehört, wie sie sagte, dass sie sich benehmen lernen muss.

Da hat Lilian einfach Rattengift auf sie gesprüht und die dicke Frau rief die Polizei.

Die Hexe hat einfach ihre komplette Haltung geändert und gesagt ihr könnt doch nicht eine alte fragile Frau mitnehmen.

Lilian ihre Mutter, soll Prostituierte gewesen sein und eines Tages hat man sie gefunden, und zwar in Einzelteile. Eine Nachbarin von Lilian mochte sie gern und wollte ihr Perücken verkaufen, da hat sie das taube Mädchen gesehen. Sie sah sehr schlimm aus und hat scheinbar nichts zu essen bekommen. Sie war ihr Sklave möglicherweise.

Lilian ist gefallen eines Tages und hat noch ihre Anwältin angerufen.

Sie starb in der Wohnung.

Das Mädchen, das sie so gefoltert hat, wurde von einer Ambulanz abgeholt und man weiß nicht was mit ihr passiert ist.

Heute steht am Eingang eine Einladung zu ihrer Beerdigung.

Alle Nachbarn hassen sie. Ein kleiner Junge mit der Präsenz eines erwachsenen Mannes begrüßt mich mit einem Kuss auf der Wange und einen starken Händedruck.

Seine Mutter sehr dünn und drogensüchtig wartet auf ihn. Sie gehen in die Wohnung ihrer Mutter. Der Junge hat eine DVD in seiner linken Hand und die Schlüssel in der rechten.

Sie fragen, ob wir zur Beerdigung gehen.

 

III. 

 

Eigentlich sollte die Oper eine Wohnung im Zentrum Bogotás sein.

Hier neben den Hügeln, den Nebeln und der leichten Kälte die so einfährt nachts.

Große Fenster zeichnen den Ausschnitt, auf den wir uns konzentrieren.

Leuchtschrift.

Ich wünschte ich wäre in der Lage ein Stück zu schreiben, dass so ist wie vor diesem Fenster zu stehen. Wie man von oben herab auf eine Stadt schaut und da passiert alles Mögliche aber von da oben ist man total sicher. Aber man spürt diese verrückte Vibration, die diese Stadt hat.

Ich habe eine Figur der Völker des Sinú nachgemacht.

Dann habe ich die Carrera 9 gesucht und dort eine Wohnung mit Personen betreten, die sehr betrunken waren, berühmte Künstler*innen und die tollste Wohnung in der Candelaria.

Dann fingen sie betrunken an zu erzählen:

Ein reicher Mann, der den Crack hier eingeführt haben soll in der Stadt, ist mit einer zerbrochenen Bierflasche über das Gesicht eines sehr jungen Mädchens gefahren.

Ihre Mutter hatte sie viel zu früh in einem Ort gebracht, der nichts für das Mädchen war.

Oper ist super Privileg und lediglich ist es Wahnsinn, weil reiche Leute sich gern daran bedienen.