Donnerstag, 25. Juni 2020

Daphnis ohne PAN - Text von Federico Luz

































































































Unsere antiken Körper.

Er ist eingraviert. Eingebrannt und eingeschnitzt, wie die Wand Tattoos von Pompei: wir trugen unsere Notizzettel auf der Haut mit uns umher, wie eine Landkarte durch unsere Gedanken, wie Notenblätter einer Melodie des Lebens und des Denkens. Daphnis spielte diese Lieder, die Noten von seinem tätowierten Körper ablesend, hier und da bereits einige Flecken in Tönen des Zwielichts (abends und morgens) sichtbar. 
Vielleicht war seine Flöte ein Instrument für die Berufung und Kommunikation mit den Göttern. 
Oder eher mit den „Göttern“, es ist nicht ganz unrichtig, dass wir hier von Prä-Astronautik ausgehen. 
Was war sein wirklicher Fetisch?

Unsere Reise

Daphnis, unser sizilianischer Hirte, Sohn einer Nymphe und des Hermes, teilt seinen Namen mit einem von Herkules getötetem Zentaur (halb Mensch halb Bestie, die weissagende Kräfte besitzt) und einer Prophetin die in Delphis ihre Dienste verrichtete. Wenn wir also von Prophezeiungen sprechen, handelt es sich dabei um Einblicke in die Zukunft, ein Betreten eines noch nicht geschehenen Raumes, eine Bewegung in der Dimension: eine Reise. Daphnis spielt seinen Song, nachts von magischen Motten umgeben im Mondeslicht badend und liest von seinem Körper die Klänge der Zukunft ab. Eine Technologie, deren Handhabung die Mensch, heute, vergessen haben.

Unser Körper im 21. Jahrhundert

Der Mensch im 21. Jahrhundert will alle Mineralien in sich aufnehmen. Wir bereiten uns auf einen gesünderen kosmischen Kompost vor, denn wir wünschen allen eine tolle Erden-Zukunft. Unsere Körper werden zum Fetisch: wir hüten sie, pflegen, putzen, reinigen, räuchern, säubern, schrubben, balsamieren, meditieren, bewegen sie. Wir cremen sie ein. Wir haben die antike Technologie der Zukunft schon längst aus unserer kollektiven DNA verbannt und uns bleibt nichts anderes übrig als zu hoffen – und daran zu glauben, - dass die Körper, die aus unserer menschlichen Erde auferstehen werden, glänzend und wundervoll sind. Einige jedoch, versuchen die Fäden, die uns zu denjenigen Vorfahren, den Prä-Astronauten zum Beispiel, verbinden, aufzuspüren. Besonders sie hinterfragen den irdischen Fetisch: gibt es vielleicht doch noch eine Chance die geheimnisumwobenen antiken Praktiken zu lernen?