Mittwoch, 15. Juli 2020

ein Komet

Figuren 

böse Zungen

Sorge

Feministin 

alte Schule

Bewohnerin


In einer Wohnung in Wien

Sorge kommt durch die Tür und schließt hinter sich hab. 

Er setzt sich nieder und macht sich Notizen. 


Sorge schreibt 

Die zeitgenössischen Motive sind unklar kommen aber gut an, weil die Diskurse die heutzutage geführt werden von Heuchelei, Narzissmus und Willkürlichkeit durchflutet sind. 

Wir wollen keine unangenehmen Situationen aushalten (außer im Feld des Voyeurismus oder des Skandals) 


NOTIZ

Die These 

Skandal → Normalisierung = Popularitätskultur 


Logik: Randnotiz: Die Überwindung der eigenen Bourgeoisie 

Methoden der Kapitalakkumulation 

Faschismus  →  Anpassung → Etablierung der totalitären Klasse ohne Bewusstsein für ihre Situation 


weiterhin Sorge aber nur gedanklich

Wo bleibt da der Körper? 

Wenn man keine Beziehungen zu seiner Umwelt aufbauen kann, muss ich meine Neigungen zu Prinzipien erheben und das Fleisch als Bewusstsein erfassen. 

Also die Spaltung von Körper und Kleidung. 


böse Zungen machen Geräusche und zischen durch den Türspalt


Sorge lässt sich von den Geräuschen nicht beeindrucken, böse Zungen sind nur Zweckmaßnahmen. Sorge schaut sich im Raum um und notiert weiter...


Keine Selbstvergessenheit, Ohnmacht und Hingabe. 

Uns fehlt es an Hingabe, an Dauer und Verständnis… 

Leben und Leid und die Befangenheit in die wir stecken sind eine Konsequenz unserer Sterblichkeit. 

Diese Ungewissheit ist doch kostbar. 

Die vielen Handlungen und Entscheidungen mit denen wir dann formen. 

Eine schöne Skulptur vor meinen Augen. 

Unser Leben das eigentlich einer dauernden Bedrohung und Ungewissheit unterzogen ist...muss man doch mit einer anderen Art von Hingabe begegnen.


Die alte Schule 

Worüber möchtest du eigentlich schreiben? 


Sorge bemerkt alte Schule hinter sich die über die Schulter die mitgelesen hat

Sorge schweigt 


Die alte Schule 

Vielleicht müssen wir in den Wald. Unsere Sinne schärfen. 

Alle Avantgarden fangen im Abseits an. 

Wir brauchen Ruhe. Geduld und eine bessere Wahrnehmung. 


Sorge macht aufmerksam auf böse Zungen

Das Böse ist nicht harmonisch: Sein Wesen ist die Zerrissenheit…


Bewohnerin wacht auf und murmelt vor sich hin

Birne, Apfel, Kirsche. 


Sorge läuft aufgeregt zum Bettrand und hält der Bewohnerin ein Referat vor

Zurück zur Arbeit FAUST von der Künstlerin Anne Imhof: 

Die Künstlerin entwirft etwas sehr Bedenkliches für unsere Generation. 

Das Menschenbild, das darin belebt wird, trifft auf eine große Identifizierung zu, welches überwiegend unter einer jungen Generation als selbstverständlich hingenommen wird. 

Eine untergewichtige androgyne Version des jungen in Deutschland (oder im Mitteleuropa) lebenden Menschen der gekennzeichnet ist durch Lebenswelten, die narzisstisch belebt, schön, weiß und armutssehnsüchtig ausgestattet ist. 

Dessen psychische Krankheiten einem Schönheitsideal unterzogen sind. 

So gehört Sucht und Erschöpfung zu einem Zyklus der erstrebenswert erscheint oder als Widerstandsleistung gegen Gesellschaft. 

Die Welt geht an mir quasi vorbei und das wird als eine aktive Passivität hingenommen. 

Der Berghainkomplex und die Disziplinierungsaufgabe werden bewundert im Ebenbild eines Dobermanns, der für Ideen von Herr und Knecht stehen soll. 

Die Überhöhung von subkulturellen Erscheinungen, Ästhetiken und Methoden des Widerstands beispielsweise in der SM-Szene oder der Technoszene finden hier Anwendung. 

Weil die Künstlerin diese Beobachtungen aus ihrer Lebensrealität und Umfeld aufgreift, ist dies bildwürdig.

Das ist eine Freiheit, die wir der Kunst lassen müssen: sich zu zeigen. 

Aber dieses Menschenbild erlaubt weder Diversität noch Veränderung. 

Folgen wir dieser Logik sind hier Körper einer Maßnahme unterzogen, die sinnvoll und (nach geltenden ästhetischem Regelwerk) schön/modisch/alien konstruiert sind. 

Sie sind das Verhältnis zwischen Betrachter*innen und Kunstwerk und mit einem psychologischen Begehren verknüpft, das der Kunst innewohnt, da sie sich als Fetisch im Laufe der Jahrhunderte etablierte. 


Bewohnerin 

Sorge, bitte hör jetzt mit Anne Imhof auf. Ich weiß das du sie scheisse findest. 

Es ist lediglich zeitgenössische Performancekunst und gerade eigentlich wirklich überhaupt nicht mehr aktuell. Informier dich. Lass mich in Ruhe.

Jeder deutsche Furz ist nicht gleich Spiegel der Gesellschaft… 

Von dir hab ich ja den Eindruck, das du verbittert bist und auch religiös, weil du so moralisch referierst. 


Die alte Schule zynisch 

FAUST ist ein wunderbares und komplexes Werk von Goethe. Das ist Tradition. 

Das ist Akademie genauso so, nur zeitgenössisch. Toll!

"Indem aber die Proletarier mit ihren Proletkult den Bourgeoiskult imitieren, sind es gerade sie es, die diese verdorbene Kultur der Bürger stützen, ohne sich dessen bewusst zu sein." (aus einem Manifest von 1923)


Sorge zur alten Schule beide am Bettrand von Bewohnerin

Ist das so, die neue Generation – Balenciaga und Co. die bis heute anhält? 

Künstler*innen, die an solche Modeerscheinungen glauben und Kunst, die sich in Wechselwirkung dieser Logik unterzieht? Oder sind das die ästhetischen Nachwirkungen der Sowjetunion? 

Eine Privatisierung die sich seine eigene Logik bahnt. 

Ihre Beine ganz um sich selbst verwickelt. Die Vereinzelung als Logik. 

Wer dem Proletariat seine Identität klaut, weiß genau wie man Körper von Kleidung trennt. 


Bewohnerin

Ich verurteile niemanden, wir haben ähnliche Werte (Herkunft, Sexualität,Religion) und sobald jemand etwas tut, was eben nicht unbedingt einen Marktwert hat, halte ich das erstmal für etwas, was wir fördern müssen, egal ob Modewelt oder Luxusmarke.

Ich finde ja, wenn man Kritik ausübt, muss das differenziert zugehen. 

Außerdem bringt das ganze Othering nichts. 

Wir sind quasi im selben Kessel. Gefangen oder nicht. 

Wir können uns solidarisieren. 

Verbitterung bringt niemanden was!


böse Zungen vom Gang aus bereitwillig zur Bewohnerin

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?
Kaffee trinken, die Claudia treffen, Therapiemaßnahme. Ewige Vacation? 


alte Schule 

multiple Körper, die Armut weitergeben sind besorgniserregend. 

Keine Macht der Avantgarde und dem Dilettantismus. 

Das schreibt man sich heutzutage als Selbstverständnis. Ich will weinen. Ich bin die Generation, die das akademische überwunden hat. jetzt wieder von vorn?

Nimm mich in den Arm 60er.70er.80er. 90er. ein paar Namen und Tod. 


Sorge

Das was du da beschreibst über die Aneignung und den Populismus, das ist so wichtig. 

Ich bin besorgt aber nicht aktiv. 


böse Zungen 

Man munkelt, dass sich das Kapitalismusherzchen so reguliert und filtert, um konkret alles zu zensieren was progressiv sein könnte. 


Sorge

Das europäische Ebenbild – ohne Aufgabe. 

Ohne Aktivität außer in der Unbeholfenheit des Eigenen. 

Eine Generation die bei jedem Anlass Sportkleidung trägt, aber mit dem Geschmack von Verwahrlosung. 

Denken Sie an das ganze Geld, das Sie verdienen müssten, um Drogen zu konsumieren und gleichzeitig Sportklamotten zu tragen oder etwa Vètements & Co

Naja, denken Sie mal daran wie viel Privileg ich haben muss, um obwohl ich mehr als genug Geld habe, ich mich absichtlich einem Prozess der Verwahrlosung unterziehe oder Protelkult betreibe mit Erfolg und Karriereaufstieg? 

Die Arbeiterklasse kommt doch nicht auf die Idee, sich mit solchen ästhetischen Methoden zu identifizieren. DHL- Jäckchen auspacken und dabei genießen wie sehr wir tatsächlich den Komplexitäten des Markts unterliegen. 

Man zieht da eben nicht nach Berlin mit seinem Sport- oder DHL-Jäckchen und geht gentrifizieren. 


böse Zungen lächelt

Eine Armutssehnsucht gut verkleidet nach dem Fall der Berliner Mauer! 


Sorge

Scheinbar hat diese Personifikation viel Zeit für Rausch und Entfremdung. 

Dieser Rausch ist kein progressiver. Es gibt nämlich eine andere Art von progressivem Rausch, den der Kapitalismus verstanden hat. Er hat ihn durch seine Filter des Kolonialismus und der Gier nämlich ziemlich gut versteckt. Was einmal die Waffe war gegen eine Realität, die keine Zukunft in sich trägt, wurde zu einem Weg Menschen in ihren Potenzialen entgegenzuwirken und sie zu betäuben. Deshalb gibt es keine Bewegungen, Avantgarden oder Positionen die sich gegen einen bürgerlichen Begriff von Kunst wehren.
Falls doch werden sie schnell belohnt durch Zugang zu einer noch feiner pulverisierten Klassenzugehörigkeit. 


böse Zungen erfreut

oder noch besser mit den Mitteln des Marktes spielen und selbst dick abzuräumen, im Namen der Kunst. Amen! 


Sorge zu Bewohnerin doch sie kann nicht antworten sie ist am Klo

Uns ist klar wir können auch nicht anders Erfolg haben ? 


alte Schule

Wagnis. Lieber, Antikunst. 

Unsinn. Liebe. 


Sorge wird zu Vorwurf der wie ein automatisierter Monolog für sich durch die Wohnung läuft 


Die neoliberale Gesellschaft will ja genauso ein Menschenbild stärken und das in den H&M und Co. bringen, wo dann schließlich alle einkaufen und der Konzern letztendlich einmündet und einen ultimativen Wert bildet mit dem wir uns identifizieren ohne ein Bewusstsein für diese Umstände zu haben. Wir müssen uns bewusst werden, dass wir ein erheblichen Anteil daran haben Repräsentationen und Werte zu konstruieren. 

Die Individuen unserer Zeit konsumieren, beschäftigen sich lediglich mit sich und der eigenen elitären Gruppe und begreift sich als warenwirksames Gut. 


alte Schule versucht Sorge zu beruhigen

Sorge du musst versuchen zu Vertrauen. 


Sorge nimmt nur noch sich wahr 

Dazu kommt das Abschneiden jeglicher Möglichkeit sich daraus zu lösen, ohne sich von außen ständig formen zu lassen. Letztendlich sind Gefühle als Übertreibung und Pathos in gewissen Mustern zu leben. Wir erzeugen Bildkompositionen, ganz individuelle Formate. Wir verbinden uns nicht. Wir zeigen die absolute Transparenz und lösen uns in die Leere auf. Unendlichkeit ist da. Aber da gibt es keinen Halt. 

Das heißt ich kann da gar keine Scham fühlen, ohne das ich mich nur selbst hasse für meine Willkürlichkeit und Pseudoindividualität. 


Sorge geht ins Bad zur Bewohnerin die versucht zu duschen. 

Er schneidet ein Loch in den Duschvorhang und spricht durch das Loch


Grundlegend erscheint mir ebenfalls, dass menschliche Beziehungen über die Ästhetik laufen und somit ihre Zugehörigkeit dort verortet wird. 

Gleiche Haltungen und Meinungen werden hier selbstverständlich im Raum manifestiert. 

Diese müssen nicht besprochen werden, es gibt kein Widerspruch, weil das würde irgendwie unangenehm sein.

Dass wir dauernd ausgestellt werden und uns selbst nur so begreifen und das so hinzustellen, als wäre es etwas total selbstverständliches ist widerlich!

 

Dies dann als Provokation gegen die Kritik von Entfremdung hinzustellen ist schlicht und einfach eine künstlerische Methode die weder Zukunft noch Bewegung erlaubt, weil ich dieser Realität zustimme. 

Das sind die Taktiken des Populismus und eben auch des Faschismus, den diese Arbeit natürlich in ihrer Klischeehaftigkeit von Beitrag für den deutschen Pavillon innehat. 

Niemals im Innen. So. Referat von Anne Imhof somit beendet. 

Doch kurz zu Balenciaga….


Bewohnerin öffnet hastig den Duschvorhang

Nein, ich glaube, das ist einfach nicht mein Aufgabenfeld darüber irgendwie zu sprechen oder dauernd zu hören was in der zeitgenössischen Kunst los ist. 

Das Nachmachen eines ästhetischen Programms überlasse ich den Anderen! 

Du hörst dich an nach Verschwörung...Warum muss man als bildende Künstler*in überhaupt visionär sein. Ist doch sinnlos!


Sorge leicht hysterisch

Folgt diese künstlerische Rezeption von Mensch einem ähnlichen Prinzip, wie die Selbstdarstellung von der Musiker*in Arca? Wenn sie als begehrenswertes Objekt ins Außen geht muss dieses Bild einem cyborgähnlichen, pornografischen Gedanken folgen.

Ist das der Stand der Frau aus ihrer Perspektive? 


Bewohnerin

Wieso ist das jetzt auf einmal ein Thema? 

Sorge geh zurück in die Küche, mach dir einen Tee oder so. Du kleiner Verschwörer! 


Sorge mit einem Bild von Arca in der Hand

Hier werden althergebrachte Methoden der Empörung, des Ekel, der Provokation und der Ästhetik, die als hybrides Zusammenspiel agiert zwischen Automatisierung und Entfremdung von Natur zu einem profitablem Image zusammengeführt. 

Was kann da noch Erlösung sein?

Oder ist das alles egal, weil hier was individuelles ausgehandelt wird?


Bewohnerin trocknet sich die Haare mit einem Handtuch 

Ich glaube, dass Arca das trotzdem viel sensibler macht, weil sie vielleicht tatsächlich an einer Zukunft arbeitet. Irgendwie finde ich es auch großartig, dass man vieles davon auch einfach für geschmacklos halten kann. Da steckt so viel drin, was du auch nicht verstehen kannst. Allein die Tatsache Hormone zu sich zu nehmen ist für den Körper, vielleicht wie ein Durchleben der Pubertät. Und hier geht es nicht allgemein um Frauenbilder sondern konkret um das einer Transfrau. Hier gibt es auch eine andere Art von Tradition. 


Feministin aus dem Sessel im Nebenraum

Aber hier liegt, glaub ich auch das Missverständnis. 

Grundsätzlich ist es absurd, wie das für sich enorm patriarchale Konstrukt dadurch nicht in ihrer Wesenhaftigkeit verändert, angegriffen oder zumindest bloßgestellt wird. 

Es wird zur Trauer, Norm und zur eigentlichen Motivation einer Neugründung eines HYBRIDEN Körpers. Dieser widerspricht aber keinesfalls dem profitablen Körper. 

Der Verwechslung von Freiheit mit der Identifizierung des gewalttätigen Körpers halte ich für einen Kurzschluss von Traumerfahrung.


Vielleicht reagierte ich so stark darauf, weil ich es so schockierend finde wie brutal mit dem Frauenbild umgegangen wird und Arca es auch mit sich selbst schlussendlich ist. Dass sie Angst haben muss, dass ihr Widerstand oft darin besteht, diese Verkörperungen zu werden, um das System im innersten auf ihre Perversion hin zusammenzuhalten. 


Ich wünsche mir eine Arca die nicht den Körper der Sexarbeiterin verkörpert und ihn als Fetischobjekt verkauft. Und eben nicht auf starke Assoziationen zurückgreift zu jungen, unschuldigen, dünnen, gefolterten Frauenkörper, die bereits einen Gewalt Prozess durchlebt haben müssen. 


Sich eben derart distanziert, dass es in Richtung Maschine geht. So wird man kein Projektionsbild für das Geschlecht finden, das Freiheit und Transzendenz verschafft.

Daran ist auch, finde ich nichts sonderlich revolutionäres, weil sie eine Entscheidung trifft, die weiterhin die Geilheit an diesem Bild ansteuert. 


Sorge mit einer Tasse Tee für Feministin 

Das schockierende ist, dass es so selbstverständlich von der Öffentlichkeit hingenommen wird, weil es eben auch diese Generation anspricht. Dass allgemein so viele Dinge einfach hingenommen werden und wir eigentlich nicht bemerken...


alte Schule unterbricht Sorge 

...wie viel Macht die Kunst hat, ist doch erstaunlich...

aber immerhin ein Trost und eine Möglichkeit. 


böse Zungen bereitet sich auf ein Plakat basteln vor

Mein Geschlecht - Mein Freiheitsphänomen !

Identitätspolitik wird zu Dialektik der Elite ! 

Populärkultur ist die neue Kunst !


Feministin 

Arca begreift sich selbst in dieser Abhängigkeit zum Männlichen hin?

Der Fetisch gegenüber dem weiblichen Körper kristallisiert sich aus einem ziemlich raffinierten Blick heraus. Die Frau darf nicht als moderner Fetisch abgefertigt, abverpackt und somit reproduziert werden. Narzissmus war schon immer mit einer Schutzfunktion verbunden.


Bewohnerin die der Feministin Kekse anbietet 

Wie kann man das männliche Subjekt, das sich über die Unterdrückung Anderer definiert entblößen, damit wir uns wieder erblicken können? 

Ich will mich verbinden, vertrauen, Beziehung zu den Dingen haben. 

Nur bin ich verflucht immer im Außen zu stehen? pause

Ich will nicht ein Mann werden, damit ich es endlich schaffe, als Genius in die Geschichte einzugehen. Amen! 


Feministin und alte Schule werfen sie einen komischen Blick zu.

Ja! Man kann kritisch sein und nicht verbittert. 

Man kann großzügig sein. 


Feministin geht einfach aus der Wohnung. Sie will sich noch bisschen die Stadt anschauen. 


kurze Stille


Bewohnerin nachdem sie Feministin verabschiedet hat 

Ich will mir über diese Dinge keine Gedanken mehr machen. 

Wer ausstellt, gut ankommt, Anerkennung bekommt, wer feiert, wer wen liebt und gern hat und welches Geschlecht nun seine Gültigkeit hat. Was es für Diskurse und Dokumentationsansichten so gibt, die ich noch nicht gesehen habe. 

Ich war oft genug überfordert von den vielen Geräuschen im Supermarkt. 


aufgeregt wie eine Prinzessin


Mich interessiert nur mein eigener Brei. Ich will diese soziale Angst wahrnehmen. 

Mich isolieren und mich ohne Auftraggeber*innen in meiner Arbeit auflösen oder wie ein dicker Biber einen Damm bauen, an dem ich im Sommer baden gehe!


Bewohnerin malt einen Biber mit besonderer Betonung auf den Schwanz 


alte Schule als Sprechstimme 

Bewohnerin könnte sich die Haare ausreißen oder zumindest sich selbst ins Gesicht so lange kratzen bis sie sich selbst verletzt. Sie ist wütend in einem Hippiekleid aus dem Haus gelaufen. Man hat ihre Brüste noch durchscheinen sehen. 

Sie war so müde von der Kunst, die man sah. Alles, was sie sah war scheiße und das war ein Gedanke, der sie nicht losließ. Warum konnte man diese scheiße so genießen?

Wieso hat sie nach so vielen Jahren Studium niemanden getroffen der ihr Trotz schenkt? 


Das System hatte versagt. 

Nach 8 Jahre hatte sie nur Scheisse gesehen, die gefördert wurde und die in naher Zukunft in den besten Museen des Landes zu sehen war. 

Sie allerdings hatte keine Chance, weil sie nach einer Provokation verlangte, der sie selbst nicht gerecht wurde. 

Waren all die Jahre Verschwendung und sie hätte stattdessen in die Pensionskasse einzahlen sollen? Ihre Überheblichkeit war enorm. Ihre Aggression so weit, dass sie sich wenigstens ein kleines Brusthaar herausreißen könnte.


Bewohnerin ist überfordert von den Geräuschen und den vielen Diversitäten da draußen und kehrt in die Wohnung zurück wo Sorge auf sie wartet. 


Ich weiß nicht mehr genau. Es gibt Werkzeug mit dem ich glaube von Zuhause aus das Beste zu bauen, was es in dieser Stadt zu sehen gibt. 

Aber keiner wird mich anerkennen, weil ich selbst nicht an mich glaube. 

Mein Selbstwertgefühl reicht von ganz unten nach ganz oben. 

Mit dieser Konjunktur kann keiner da draußen umgehen. 

Die Geschäftsleute und Politiker*innen können damit erst recht nichts anfangen. 

Kein wirklicher Profit ist denkbar.

Wieso sich Gedanken über Kunst und Kulturphänomene oder Markt machen, wo es doch nur um die Arbeit selbst geht, der man sich verspricht. 


alte Schule 

Sie war allein und so starb sie in ihrer Einsamkeit und einer Begierde, die niemals befriedigt wurde. Aber es gab andere Schicksale, die wichtiger waren oder zumindest tragischen Ursprungs. 


Man kann sich täuschen, das Leben ist Bewegung.
Die Haltung ist wichtig, bringt dir aber nur was, wenn du Charakter hast. 


Sorge nimmt das Bild des Biebers und faltet es sorgfältig in seine Tasche. 


Dann spricht er zu alte Schule, die eine kleine Radiostation mittlerweile in der Wohnung aufgebaut hat. 


Sorge zu alte Schule

Also die Dystopie ist sehr zeitgenössisch, weil darin kann ich eintauchen und baden. 


Bewohnerin ist traurig und liegt mit einer Decke am Sofa. 


Sorge stehend zu ihr  

Deine Sorgen sind Luxussorgen. 

Mach doch mal Kunst für dich und komm zur Ruhe. Genieß es aber lösch dich von Instagram und Facebook. Das sind alles nur Dämonen.

Die letzten Zeichnungen sind doch ganz hübsch.


alte Schule in Sprechstimme aus der Radiostation

Es war Chaos angebracht und eines Tages kam es dazu: 

Die Erde war bereits in einen dystopischen Zustand verfallen.

In einem Glaspalast schlug es brutal ein.

Das Glas wurde so fein um die Welt verteilt, das es sogar die kleinsten Insekten von ihren Flügeln kaum entfernen konnten. 

Es war dieser Palast, wo die Weltausstellung erstmals stattfand, der mit den Stahlträgern in England. 

Die Globalisierung war zerstört worden von einem Komet. 

Alle Flüchtlinge konnten in die Glaswelt aber sie hatten verstanden, dass es eine unfassbar brutale Illusion war die nicht zukunftsfähig war. Alle bekamen ihre eigenen Namen zurück. China und USA waren auch hart betroffen von der Katastrophe.

Ein paar Elitemenschen konnten sich noch verstecken. 

Sie waren schließlich aus Panzerglas. 


Für die Bewohnerin gab es keine Hoffnung zu existieren. 

Mit der echten Welt, hatte sie keine Érfahrung. Ihre Arbeiten waren Scherben. 

Die Bücher von Schriftsteller*innen aus der ehemaligen Sowjetunion und einige von den Existenzialist*innen überlebten lediglich als Referenz. Sorge kam in den DDR-Himmel. 

Der Kommunismus schien der einzige Ausweg für ihn. 

Aber auch das, war nur eine Realität von Vielen. 

Die großen Konflikte seit Menschheitsgeschichte wurden plötzlich klein. 

Die Probleme der Zeit: Kirsche, Birne, Pfirsich usw. waren überhaupt nicht greifbar außer eben für den aufprallenden überdimensionalen Kometen. 

Toleranz war naturgegeben, weil es plötzlich überlebensnotwendig wurde. 

Respekt war übrig für Alle Lebewesen trotz der Brutalität die der Natur innewohnt da. 

Der Komet war eine wunderbare Notlage die uns erlöste von uns selbst. 

Alles zerbrach und begann zu blühen, dort wo es seine Spuren hinterließ. 

Bewohnerin starb am Feinstaub und war Ok. 



     Zeichnung: Juan Vera 

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