Donnerstag, 21. Oktober 2021

Hass des Frühlings

Frühlingserwachen 
leck mich hart. Führe diesen dicken Schwanz in mich hinein und stelle mich dann deinen Freunden vor. Ich werde begehrt, hieß es in einem Magazin. Ich brauche ein Lektor. Schieb dein Lektor in mich rein. Alles ist ein rauschendes strahlendes Loch. Eine Mutter - das Arschloch eines fremden Mannes. Das Leben ändert sich wenn man einmal ein Arschloch geleckt hat. Ich kann mit der Kunst nicht mehr sein. Sie blamiert mich. Fragilität heißt es - fick dich Dr. Arschkunst. Diese Großartigkeit in mir hängt von deinem Erkennen ab. Das es gut sein kann wenn ich wert habe. Vielleicht gibt es nur zwei Formen der Bindung - die Angst oder das Vermeiden. Beides ausgelegt um unglücklich zu sein. Dann wäre die Antwort auf Alles VERTRAUEN. Wieso überhaupt? Weil wir Sterben? Da muss man Hoffnung haben. Vielleicht ist dann endlich mein Geschlecht egal. Ich schau runter und es ist bloß ein Energiefeld bereit um zu empfangen, zu essen, zu nehmen. Nach wie vor Alles in Allem. 
Wieso wir solche Angst vor der Banalität des Bösen haben weiß ich auch nicht. Neben einer Kirche trauen viele Frauen um den Verlust ihrer Söhne und Töchter. Satan hat sie genommen. Die Erkenntnis. Die schwule Nachricht. Wenn ich PUNK bin gibt es kein kollektives Erinnern. Wenn ich provozieren möchte, gehe ins Haus vom Partner meines Geliebten um zu sehen wie sie leben. Für mich gibst nur Lücken und Gerechtigkeit für die Nachkommen wenn sie sich das genug erarbeitet haben. Ein Thema: die deutsche und österreichische Kultur ist Müll aber nicht solcher Müll wie USA immerhin. Es gibt die besten Denker:innen in Deutschland und beim Sonnenuntergang in Portugal und London. Ich möchte fressen. Schokolade werden. Wörter sollen tun was sie wollen. Es wird nicht gedacht - nicht geboren. Nicht geboren. 

Bitte nie mehr Dunkelheit 



Montag, 6. September 2021

Die Gefälligkeit

Ich bin im Kunstgefängnis angekommen. Markttaugliches Tun heißt Spinne sein, lieb gucken, Vorbereitung. Wie lange steht man schließlich noch durchschnittlich vor einem Kunstwerk. 10… Vielleicht 11. Sekunden?  Den Lilletdrink kann ich nicht mehr genießen, weder bei 50 Grad in Athen, noch hier im 1. 17. 7. 8. Bezirk.  Noch ein kleines Swipen zur nächsten Messe oder ins Museum in die zahlreichen Stockwerke. Materialkunde. Immer schnell gucken wie das Ding heißt, wer das Ding macht. Irgendwas ist falsch und heuchlerisch an allem und alles und jedem. Wenn die Welt gerade untergeht -  tut es weh. Es betrifft uns aber nicht. Wo stehst Du mit Deiner Kunst Kolleg:innen? 

Wieso gibt es in Wien so wenig Kunstkritiker:innen? Wo bleiben die Critical Studies, Kunstgeschichtler:innen und Co. Immer nur Sabeth Buchmann, Helmut Traxler zitieren, weil dort Dissertation ansteht. Habt ihr damals auch Angst gehabt um Eure Reputation? 

Wieso wird nur Werbung gemacht in der Kunstzeitschrift und wann hört man endlich auf zu glauben die Sache hier ist ein Lifestylemagazin, wo es darum geht den richtigen Sponsor zu finden? Diese Widersprüche sind einsam. Es muss die Möglichkeit geben für die Sprungleiter zwischen nicht gefallen wollen, Autonomie und Souveränität. Wäre ich doch bloß ein Trampolin. Erfolgreich in die nächste Klasse aufgenommen werden ist nicht. Sich auf den dicken Bauch klopfen und sagen „Hier bin ich“. Ja, das ist gut. Das ist wahr, fett ist schön und lass mich in Ruhe Vaccineader. Dieser Körper, der ist so perfekt, weil er mich gesund hält. Ich muss niemanden gefallen mit keiner Zelle. 

Meine Liebe ist von mir zu Dir in der Öffentlichkeit und es schickt ein Bussi. Der Blick trifft genau in den Korb, aber wieso gibt es kein Fernsehen mehr? Wieso wird alles gefiltert? Ich will alles kaufen, alles zerschmettern. Auf den Pfad der Dämmerung.Vampir:innenkämpfe austragen. Selber lachen über meine Lächerlichkeit. Die deutsche Sprache. Sich selber Steine im Weg legen. Fallen. Fallen. Politkunst. Sozialamt. Fahim Amir ist angeblich in echt doch Cis. Ich checkst nicht, woran wurde seine toxische Haltung gelesen? Bitte mag mich.  Zufällig 800Euro am Boden finden. Die Arbeiterklasse in Ruhe lassen. Wolfram Lotz kritisieren. Ruhig gestellt, abgestellt. Regal werden. Genießen es nun Tiere miteinander Sex zu haben oder nicht? Dann ist die Sache mit der Liebe wirklich ausgedacht. Der Fetisch im Markt, die Leiche im Keller. Die Minderheit, die nicht gehört wird, sondern nur abgestellt wird, die Leute, die sofort interessant wirken. Konsumiere Eigenschaft. Gemeinschaftlich alle durchs Dorf ziehen und dabei die Haare schleifen lassen. Alle kommen einmal dran. Das Böse muss man aushalten können. Bösartigkeit und Hetzerei. Kein Raum für Trolls (Nazitrolls). Verschwendung und Scham. Schlechte Laune, süße Tränen. Schuldgespräche im Radio. Schütze mich, führ mich sanft.

Sonntag, 11. Juli 2021

Die beste Idee Aller Zeiten, 2021


Installation und Performance 

Holz, Beize, Keramik, Wachs, Stoff, Aluminium, Spiegel

Der einleitende Moment 


Die beste Idee aller Zeiten zu haben, ist mit einer großen Verantwortung verbunden, die nicht auf den Schultern eines einzelnen Individuums liegen sollte. Der Anspruch, etwas zu schaffen, das es zuvor nicht gab ist ein ziemlich korruptes Unterfangen - schließlich, so sagt man, gebe es in der Kunst schon alles und es gelte lediglich, ein hybrides Neben- und Füreinander zu errichten. Eine neue Kunstbewegung oder sogar ein neues Kapitel in der Kunstgeschichte aufzumachen sei ebenso uninteressant geworden, wie es die Vorstellung des Virtuosen sei. Schließlich wisse man erst im Nachhinein, was für eine Epoche wir schufen oder in welcher wir uns aufzuhalten vermochten. Der Technik und Wissenschaft stünden im Sinne des Fortschritts andere Parameter zur Verfügung, da gebe es eine grundlegende Triebkraft, die Innovationen unterstützt - dystopischer Zukunftsszenarien zum Trotz. Diese sollen bewältigt werden oder zumindest Marktwert generieren. Solange Geld generiert werden kann, kommen die Großköpfe an einen Tisch und werden von Mängelwesen zu Prothesengött*innen. 

Doch auch hier spielt die Vergangenheit eine entscheidende Rolle - schließlich lässt sich die Elektrizität nicht nochmal erfinden. Alles ist zunächst einmal wahr, und zwar solange, bis man etwas dagegen vorbringen kann. Denn auch die Prothesengött*innen sind in einen künstlerischen Prozess involviert. Um die beste Idee aller Zeiten wenigstens eine Sekunde lang haben zu können, muss dieses Individuum eine gewisse Überzeugung durchleuchten. 

Diese Idee muss für eine Millisekunde lang so sehr leuchten, dass wir sie schnell auspacken und daran festhalten können. Doch im gleichen Moment spaltet sich etwas ab - wir müssen die Idee wieder loslassen. Wenn etwas stagniert, springt sie - wie ein Floh zur nächststehenden Person. Die Ideen ruhen, wie bereits erwähnt, bloß für eine kurze Zeit in uns und das ganze Wissen ist ein Handwerkszeug, das uns lehrt, uns in dieser Welt zu orientieren. Unsere Neugier ist schön und transformiert sich manchmal zu Verlangen. Wie unsere Vorfahr*innen sich fühlten, als sie erstmalige Erfahrungen gemacht haben, können wir niemals in totalen Bildern erfassen. Es bleibt davon auszugehen, dass uns die Kulturgeschichte und somit auch die ersten künstlerischen Zeugnisse ein Bruchstück davon vererbt haben. Diese Erfahrungen haben allerdings keine Autor*innenschaft im Sinne eines Individuums. Der Mensch entdeckt und breitet sich aus. In der Sesshaftigkeit und Domestizierung erkennt er sich wieder, in Differenz zum Tier - einem Wesen, das Veränderung hervorrufen kann und nicht nur seinem Instinkt folgt. Dieses abgesprochene Bewusstsein, das die Natur und die Tierwelt im Gegensatz zu uns angeblich nicht haben sollen ist ein Grund für den Untergang der Menschheit. 

 

Der böse Primitivismus 

 

Den Kern der Kunst auszumachen ist ein schwieriges Unterfangen, welches früher oder später bei manchen zum Gedanken geführt hat, dass wir „zurück zum Ursprung“ müssten. Zu einem Zustand, in dem es noch keine Kultur gibt; keine Zivilisation, die uns vorschreibt, was wir zu erkennen haben. Darin steckt etwas Progressives und zugleich ein romantisches Unbehagen. Dem entspricht auch der Mythos des angeblich zivilisierten, weißen Mitteleuropäers, welcher den Wunsch nach ein wenig Zerstreuung seiner Selbst pflegt. Doch das Leben ist kein dualistisches Ungeheuer. Deshalb gehen wir zurück zur Kunst, die, wie die Büchse der Pandora, ein Häufchen Hoffnung für die Menschheit übrig hat. 

In der europäischen Moderne kulminierten viele Ismen und avantgardistische Gruppierungen, die allesamt stark von dem Wunsch geprägt waren, einen neuen Menschen zu schaffen. Die Abwendung vom Vorherigen berief sich stets auf Veränderung und Zukunft. Der Wunsch nach der Vereinigung mit dem Leben und der Zerstörung des bürgerlichen Kunstbegriffs stand im Vordergrund. Doch ihre Anliegen waren meist utopisch oder zu teuer.

Oft war es auch nicht unbedingt die Arbeiter*innenklasse, die die Zeit und die Mittel hatte, sich so weit aus der Gesellschaft heraus zu wagen. Es scheint ein Gesetz zu sein dass wir, sobald wir in in eine höhere Klasse aufgestiegen sind und es uns gemütlich machen, ausblenden, was sich in anderen Milieus abspielt. 

Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, schließlich sollte spätestens jetzt ein Phänomen und Begriff vorkommen, der etwas mit Nostalgie und Rassismus zu tun hat und sich sich anders verhält als der affirmative Modernismus: der Primitivismus. 

Es geht hier nicht nur um Nachahmung, Aneignung und Stammeskunst geht, sondern auch um Kinderzeichnungen, Kunst von psychisch Kranken, archaische Kunst, prähistorische Kunst und Volkskunst. Also alles, was von einem Zustand ausgeht, in dem es noch nicht zu einem Eingriff von Zivilisation kam oder dem sogenannten Erwachsensein. Einem rohen Zustand, der, wie bereits anfangs erläutert, unter „am Ursprung sein“ zusammengefasst oder eingeordnet werden könnte. Ein authentischer Zustand, in dem kein volles Bewusstsein der Urheber*innen nachweisbar ist, da diese vielleicht selbst gar nicht wussten, dass es sich hierbei um Kunst handelt. Die Projektionsleistung des Westens auf das Fremde spiegelt sich beim Umgang mit Stammeskunst als eine Form der Inspirationsquelle wider. Diese Stammeskunst war zeitgenössische Kunst, die aus den kolonialisierten Gebieten nach Europa in die ethnografischen Sammlungen gebracht und einer Öffentlichkeit ohne Kontextualisierung präsentiert wurden. Ich muss zugeben, dass ich ebenfalls eine solche Inspiration verspürte, wenn ich ethnografischen Sammlungen besuchte. Der Grund ist meist ein ästhetischer - die Formen und Farben wirken sich auf mein Gemüt aus (wahrscheinlich ein Mangel an Zerstreuung oder infantile religiöse Bedürfnisse die nicht ausgelebt wurden). Naturalien, anthropologische Funde und kulturgeschichtliche Exponate berühren und beeinflussen mich seit meiner Jugend. Denn diese Exemplare sind zwischen vielen Steinschichten wiedergefunden worden. Es sind Objekte, die Menschen überlebten und viel mit dem Tod zu tun haben. In diesem Sinne war ich froh, dass es diese Sammlungen gibt, auch wenn es überwiegend Raubkunst ist und dies thematisiert werden muss, vor allem im Zusammenhang mit der Kolonialisierung.

 

Die Fernreise 

 

Im Jahr 2018 reiste ich nach Kolumbien, um meine Familie zu besuchen. Aus dieser Zeit stammt die Arbeit „das blaue Zelt“, die ich mit meiner Tante Blanca Nidia Gil angefertigt habe. Im Jahr zuvor hatte mit meinem Freund Federico Protto-Scutti ein Zelt genäht und die Arbeit „Tabernacle“ genannt, da mir die biblisch-jüdische Idee eines tragbaren, heiligen Ortes gefallen hat. Ich wollte damals etwas konzipieren, das leicht in meinen Koffer passte. Mit dem Zelt im Hintergrund machten wir Fotos von uns. Für mich ist ein Zuhause gleichzeitig ein Volumen und eine Vorstellung von einem Ort, wo ich hinein gehen kann und in dem ich mich geschützt fühle. Das tragbare Zuhause ist ein Ort, der die Einheit mit dem Körper darstellt (dorthin kann man immer zurück, selbst wenn es einmal gefährlich wird). Als ob man im Meer schwimmt und Vertrauen lernen muss, ohne Panik zu kriegen, zu ertrinken. Die Ursuppe kommt hier als ozeanisches Rechteck vor oder als Regentonne wie bei der Arbeit „Die Tonne“. Diese Tonne mag Sie an den Blick auf die Erde vom Weltall aus erinnern. Schauen Sie einmal auf das grüne Leuchten um die Länder herum. 

Heimat hat nicht unbedingt mit absoluter Beständigkeit zu tun - die Idee einer stabilen Identität ist eine moderne Erfindung! Viele Menschen verlieren ihr Zuhause oder wissen nicht, wie man zu seinem Körper zurückkehren soll. Es braucht Räume, die diese Rückkehr fördern ohne religiöse oder esoterische Hintergedanken. Der Nationalismus reagiert häufig auf dieses Gefühl von Verbundenheit mit dem Heimischen und Bekannten, um die Verbundenheit zu anderen Menschen, die ähnliche kulturelle Prägungen haben, in Wehrmechanismen umzumünzen, die alles von Außen abwehren sollen, also keine Veränderung zulassen und somit auch kein Wachstum - um sich schützen und gleichzeitig vom Individuellen abzuwenden. 

Um mir einen Überblick über prähispanische Kulturen Kolumbiens verschaffen zu können, war ich im Nacional Museum in Bogotá. 

Ich war den ethnografischen Exponaten sehr nah, da ich die Exponate im Archiv studieren durfte. Diese Nähe war seltsam, da ich mich immer wieder in einer Perspektive ertappte, die die entsprechenden Kulturen exotisierte und von deren Ästhetik und formalen Entscheidungen Gebrauch machen wollte. Als weiße Kolumbianerin, die fast ihre ganze Jugend bis hin ins Erwachsenenalter in Europa verbracht hat, steht mir das vielleicht nicht zu. Dinosaurierknochen nachzubauen ist anders; hier ist die Autor*innenschaft völlig diffus und ein universelles Erbe. 

Grundsätzlich ist das Nachahmen ein Prinzip, das für mich als künstlerische Praxis naheliegend ist, da ich glaubte, mit einer Kopie dem Original etwas näher zu sein. Vom Original geht ein Impuls aus und nicht die absolute Vorlage. Es erleichterte mir das Erlernen eines Handwerks. Ich suchte mir also die Meister*innen selber aus und das galt überwiegend für Keramik. 

 

Die Urne, die in Cali sitzt 

 

Mir blieb ein Urnenpaar der Tolima-Kultur in Erinnerung, das die Spanier und die darauffolgende Zeit überlebt hatte. Beide Urnen datieren auf die Jahre 1600 - 700 v. Chr. Eine befindet sich in Bogotá in Kolumbien im Archäologischen Museum MUSA und die andere Urne befindet sich im Archäologie Museum „La Merced“ in Cali, ebenfalls in Kolumbien. In den letzten Monaten habe ich die „Figur mit Kind“ nachgebaut, teils aus dem Gedächtnis, teils aus den Skizzen die ich im Museum angefertigt habe im Jahr 2018. Wir sehen zwei Figuren, eine davon mit einem Kind auf dem Schoß. Beide sitzen auf für ihre Körpergröße angepassten Hockern. Die Figuren haben beide rechteckige flache großflächige Gesichter, die Torso und Kopf zugleich sind. Bei den Extremitäten ist auffallend, dass ihre Waden und Füße ineinanderlaufen und dadurch stark betont werden. Beide strecken ihre Hände und Arme vor und reichen möglicherweise sich oder den Betrachter*innen etwas Abwesendes zu. Um welches Geschlecht es sich bei den Figuren handelt, ist hier nicht wichtig. 

Eine solche geometrische Darstellung der Köpfe taucht in Kolumbien überwiegend bei Grabbeigaben, Urnen und rituellen Objekten auf, die bei den Kulturen der Tolima und der Quimbaya üblich waren. Bei den Figuren muss es sich um Schaman*innen handeln, da nur diese auf Hockern dargestellt werden. Das Sitzen stellt eine Art von Transformation und Reflektionsmoment dar - einer der Gründe, warum das Objekt „Die Tonne“ ebenfalls als Hocker fungiert. Es gibt Berichte der Spanier, die über die kulturellen Praktiken der prähispanischen Völker schockiert waren, da sie ihren Körper verformten, indem sie sich die Waden abschnürten oder ihren Nachkömmlingen im frühen Alter Bretter an den Kopf montierten, um eine flache Schädeldecke zu kreieren. Der Grund dafür soll dem Wunsch entsprungen sein, dadurch der Flachheit des Mondes näher zu sein. Ich habe hier absichtlich keine Quellen angeben, da ich finde, eine künstlerische Arbeit sollte nicht wissenschaftlich untermauert werden müssen. Daher müssen Sie meinen Darstellungen glauben schenken. Das Relief „das autonome Wesen“ als Darstellung des Wachstums mit seinen Wurzeln und somit als freies Pflänzchen. Es verbindet das irdische weltliche Wachsen und den darunterliegenden Schichten. 

 

Wer poetisch spricht stellt keine Behauptungen auf! 

 

Die russische Avantgarde wählt Kompositionen aus, die eine neue Perspektive auf den Mensch einläuten und die Funktion von Institutionen und Ausstellungsräumen im Sinne des Kommunismus stellen. Hier ist der Ausstellungsraum (oder Demonstrationsraum, wie El Lissitzky ihn gern bezeichnete); dieser hat keine absolute Perspektive, so wie bei einer inszenierte Totale. Der Ausstellungsraum sollte für die avangardistischen Ismen als Träger dienen. Künstler*innen sollten zu lesende Arbeiter*innen werden. Sind die visionäre Kräfte in der Lage, aus der Utopie einen real- wirksamen Raum zu kreieren?

Leben und Kunst zu vereinbaren kommt schnell an seine Grenzen, sobald wir von der Kunst erweckt und gewarnt werden sollen. Wie lösen wir uns von dieser politischen Hülle ab? Oder sollten wir sie vielmehr pflegen? Babylotion. 

Die Kunst hat einen Markt - sie hat Fragen der Zeit. Die Kunst soll dieses und jenes können. Manchmal sogar ein „androgynes Lämpchen“ sein. Ich habe eine „demonstrative Wandmalerei“ gestaltet und einen „Spiegeleitisch“ entworfen, aber befand mich wieder zwischen einem Egoproblem und einem souveränen Geschlecht, Frau, FUTUR. Der:Die wird dann Nazi oder Kommunist. Es gibt anscheinend nicht wirklich eine Zukunft für so einen Körper. Letztendlich muss FUTUR verstehen, dass es hier um weitaus mehr geht als um Selbstreflexion. Man kann sich wohl von diesem ideologischen Wahnsinn nicht frei machen. Wir müssen uns vom Fluch der Gegenständlichkeit lösen. Die Sonne sollte also abdanken. 

Dadurch waren die Künstler*innen wieder frei und konnten im künstlichem Licht selber entscheiden, was sie sehen wollten. Als ein Poet „Sieg über Sonne“ am Ganges aufführen wollte, da dies in St. Petersburg nicht klappte, warf ihm die britische Regierung vor, dass er möglicherweise ein Spion sei. Vielleicht hatte die britische Regierung Angst um das Verschwinden der Sonne. Vielleicht war es nicht die beste Idee aller Zeiten, aber es war zumindest ein Gedanke, dem man einen Raum geben konnte.